Zwischen Burgtheater und Babyshambles
Andere sammeln Briefmarken. Wir sammeln Abende, an denen jemand auf einer Bühne singt, schimpft, leidet oder möglichst überzeugend so tut, als wäre er jemand anderer. Das Ergebnis unserer Kultursaison 2025/26: 33 Veranstaltungen, erstaunlich viele Volltreffer und ein paar Abende, bei denen die Begeisterung etwas länger auf sich warten ließ. Gelegentlich bis heute.
Unser Rückblick führt durch Wiens Theater und Konzertlokale: vom Burgtheater und Akademietheater über Volkstheater, Rabenhof und Volksoper bis ins Chelsea, B72 und in die Arena. Dazu kommen Ausflüge zur Burg Clam in Oberösterreich und nach Triest. Kultur verträgt schließlich auch ein bisschen Frischluft.
Vorher noch eine wichtige Kalenderfrage: Eine Theatersaison wird über den Jahreswechsel hinweg gerechnet, von September bis August des Folgejahres. Unser Saisonrückblick 2025/26 umfasst also September 2025 bis August 2026. Dass viele Häuser dazwischen Sommerpause machen, ist kein Widerspruch. Wir füllen diese Zeit einfach mit Konzerten. Irgendwer muss ja arbeiten.
September: Mit Schwung zurück vor die Bühne
Molden & Seiler mit dem Frauenorchester – Theater im Park

Ernst Moldens Wiener Liedpoesie trifft auf Christopher Seilers markante Stimme, bekannt auch von Seiler und Speer. Gemeinsam mit dem Frauenorchester bewegen sich die beiden durch Dialekt, Blues und eigenwillige Songinterpretationen. Als „de zwidan zwa“ darf man dabei offenbar bestens gelaunt machen. Unser Saisonauftakt im Theater im Park war jedenfalls super . So kann es weitergehen. Mehr darüber hier.
ImÜbrigen war das Konzert, bevor bekannt wurde, dass Seiler einer Frau Drogen verabreicht hat.
Die Vegetarierin – Akademietheater
Eine Frau beschließt, kein Fleisch mehr zu essen. Was nach einer überschaubaren Änderung des Speiseplans klingt, bringt in Han Kangs „Die Vegetarierin“ eine ganze Familienordnung ins Wanken. Es geht um den eigenen Körper, männliche Kontrolle und weiblichen Widerstand. Marie Schleefs Bühnenfassung fanden wir sehr gut . Eine eindringliche Erinnerung daran, wie bedrohlich ein schlichtes Nein auf Menschen wirken kann, die mit Gehorsam rechnen. Zur Produktion.
Stone Foundation – B72
Die britische Band Stone Foundation steht für Soul mit Funk, Bläsern und reichlich Groove. Die Musiker aus den Midlands haben unter anderem mit Paul Weller gearbeitet und gehören zu jenen Bands, deren Bekanntheitsgrad ihrer musikalischen Qualität ruhig hinterherlaufen darf – aber bitte etwas schneller. Im B72 war unser Urteil eindeutig: super! Soul passt eben auch hervorragend unter die Wiener Gürtelbögen.
Frau Thomas & Herr Martin – Rabenhof

Hinter Frau Thomas und Herrn Martin stecken Tom Neuwirth, international als Conchita Wurst bekannt, und sein Mann Martin Zerza. Ihr Programm „Ruck ma z’samm“ verbindet Musik, Wiener Schmäh und ein lustvolles Spiel mit Bühnenfiguren und Erwartungen. Im Rabenhof fanden wir das sehr gut und sehr lustig . Ein Abend, bei dem musikalisches Können und gepflegte Unvernunft ausgesprochen gut miteinander auskommen.
Oktober: Eine Kaiserin, ein Grantler und eine großartige Else
Elisabeth! – Burgtheater

Mareike Fallwickl lässt die berühmte Kaiserin selbst zu Wort kommen. Im Solo mit Stefanie Reinsperger wird der Sisi-Mythos auf seine Zumutungen abgeklopft: Schönheitsideal, Frauenrolle, Fremdbestimmung und die Frage, wem dieses viel betrachtete Leben eigentlich gehört. Unsere fein abgestufte Fachkritik lautet: MEGASUPER! Manchmal braucht ein Theaterabend kein langes Urteil. Nur Großbuchstaben. WAHNSINN! Zum Stück und seinem Blick auf Elisabeth.
Ferdinand Raimund – Der Ganze – Rabenhof
Anna Mabo nimmt sich Raimunds Theaterwelt vor: Feen, Zauber, Sehnsucht und menschliche Schwächen inklusive. Heraus kommt eine musikalische Liebeserklärung mit Bezügen zu seinen acht Bühnenwerken. Wer beim Namen Raimund schon vorsorglich den Schulaufsatz im Kopf aufschlägt, kann ihn wieder zuklappen. Wir fanden das sehr gut und sehr lustig . Alt-Wiener Theater darf offenbar auch ziemlich jung wirken. Zur musikalischen Raimund-Reise.

Auslöschung. Ein Zerfall – Burgtheater
Thomas Bernhards Franz-Josef Murau kehrt nach dem Tod seiner Eltern und seines Bruders nach Wolfsegg zurück. Mit im Gepäck: eine gründliche Abrechnung mit Familie, Herkunft und Österreichs verdrängter Vergangenheit. Für ein harmonisches Familientreffen denkbar schlechte Voraussetzungen, für Theater hervorragende. Wir fanden „Auslöschung“ sehr gut , besonders die tolle Inszenierung . Bernhards Grant braucht eben Platz. Die Burg hat welchen. Zum Inhalt.
Fräulein Else – Volkstheater

Arthur Schnitzlers Else soll ihren verschuldeten Vater retten. Der Mann mit dem nötigen Geld verlangt dafür, sie nackt zu sehen. Ein erschreckend aktueller Stoff über Abhängigkeit und den weiblichen Körper als Verhandlungsmasse. Im Volkstheater wird daraus unter Leonie Böhm ein Solo mit Julia Riedler. Unsere Notiz: „SUPER! top Darstellerin“ . Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer ihrem Namen, den man sich merken sollte. Es war das wohl beste Theaterstück/die beste Inszenierung in dieser Saison.
November und Dezember: Weltuntergang, Party und eine Leiche in der Oper
Ich möchte zur Milchstraße wandern! – Volkstheater
Jura Soyfers „Weltuntergang“, „Astoria“ und „Vineta“ liefern den Stoff für diesen Theaterabend über politische Verführung, gesellschaftliche Blindheit und ziemlich unvernünftige Menschen. Also erstaunlich vertrautes Terrain. Unsere Begeisterung verteilte sich allerdings ungleich: Zwei Teile sehr klasse, ein Teil na ja. Welcher das war, bleibt hier offen. Die Milchstraße hatte für uns jedenfalls zwei besonders helle Abschnitte.
Minisex – Chelsea
Rudi – alter Freund! Er kann’s nicht lassen. Und die Konzerte enden jedesmal in einer riesigen Party. Minisex gehören zur österreichischen New-Wave-Geschichte. Nummern wie „Rudi gib acht“ und „Du kleiner Spion“ verbinden eingängige Melodien mit einem durchaus wachen Blick auf die Welt. Im Chelsea stand für uns aber vor allem eines im Vordergrund: super Party! Die Achtziger können sich ihre Schulterpolster behalten. Die Musik nehmen wir gern.
Caché – Volkstheater
In Michael Hanekes Geschichte erhält ein gut situiertes Paar rätselhafte Videoaufnahmen seines Hauses. Das Gefühl, beobachtet zu werden, legt nach und nach verdrängte Schuld und die Risse hinter einer gepflegten Fassade frei. Felicitas Brucker bringt den Filmstoff auf die Bühne. Unser Urteil: sehr gut . Ein Abend, der daran erinnert, dass ein ordentliches Wohnzimmer noch lange kein aufgeräumtes Gewissen garantiert. Zur Bühnenadaption.
Die Buben im Pelz – Chelsea
The Velvet Underground LIVE! Die Buben im Pelz rund um Christian Fuchs und David Pfister haben unter anderem Lou Reed und The Velvet Underground ins Wienerische übersetzt. Dazu kommen eigene Dialekt-Rock-Songs zwischen Melancholie, Morbidität und schwarzem Humor. Eine sehr brauchbare Mischung für diese Stadt. Unser Dezemberbesuch im Chelsea endete mit derselben Bewertung wie Minisex: super Party . Der Gürtel liefert.
Killing Carmen – Volksoper
Am Ende von Bizets „Carmen“ wird die Titelheldin von Don José getötet. „Killing Carmen“ macht daraus den Ausgangspunkt für einen neuen Blick auf den Stoff: Wie konnte es dazu kommen, und was erzählen die Figuren über Freiheit, Besitzansprüche und Schuld? Eine Operngeschichte wird zum musikalischen Untersuchungsfall. Wir fanden das sehr gut . Bekannte Musik, neue Fragen – eine ausgesprochen reizvolle Kombination. Nils Strunk – klasse!
The Cure: The Show of a Lost World – Filmcasino
The Cure rund um Robert Smith gehören zu den prägenden Bands zwischen Post-Punk, dunkler Melancholie und großen Popsongs. Im Filmcasino sahen wir den Konzertfilm ihres Londoner Troxy-Auftritts, bei dem sie „Songs of a Lost World“ vollständig spielten. Unsere Bewertung: super Liveerlebnis . Die Band stand zwar auf der Leinwand, das Konzertgefühl saß aber mit uns im Kino.
The Boys Are Kissing – Volkstheater
Zwei neunjährige Buben küssen sich. Die Erwachsenen bekommen daraufhin bedeutend mehr Erklärungsbedarf als die Kinder. Zak Zarafshans Komödie nimmt die Aufregung zum Anlass, Toleranz, Vorurteile und vermeintlich fortschrittliche Selbstbilder durchzuschütteln; auch zwei Engel mischen mit. Wir fanden den Abend super . Die Kinder haben einen Kuss. Die Eltern ein Problem. Fürs Theater eine sehr ergiebige Arbeitsteilung. Zum Stück.
Lukas Resetarits: Glück – Stadtsaal
Silvester verbringen wir mit Lukas Resetarits und seinem „Glück“-Special. Der österreichische Kabarettist untersucht in seinem 30. Programm, was es mit dem Glück so auf sich hat. Gemeinsam mit Kathrin Resetarits entstanden, bietet die Satire reichlich Stoff zum Lachen und Nachdenken. Für uns war das sehr lustig . Ein guter Jahresabschluss. Wobei die Theatersaison selbstverständlich noch lange nicht abgeschlossen war. Und der Abend auch nicht, besuchen wir zum Jahreswechsel traditionell nach unserem Silvesterlauf am Nachmittag eine Theatervorstellung.
Jänner und Februar: Puppen, Zauberflöten und gepflegter Wahnsinn
Schicklgruber – Theater in der Josefstadt
Hitler und sein Umfeld im Endstadium des Regimes: „Schicklgruber“ zerlegt Macht und Größenwahn mit den Mitteln des Puppentheaters. Nikolaus Habjan und Manuela Linshalm übernehmen die Figuren von Neville Tranter und machen die historische Katastrophe als groteske Farce sichtbar. Unser Eindruck: super – diese Puppen! Faszinierend, wie viel Ausdruck in einer Figur steckt, wenn die richtigen Menschen sie führen.
Pension Schöller – Rabenhof
Eine Pension voller exzentrischer Gäste wird für eine Nervenheilanstalt gehalten. Damit ist der Grundstein für einen der haltbarsten Verwechslungsstoffe des deutschsprachigen Theaters gelegt. Im Rabenhof bekommt die Posse von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs unter Ruth Brauer-Kvam eine musikalische Rundumerneuerung. Und die Darsteller, allen voran Bobby Slivovsky von 5/8erl in Ehren waren fantastisch. Wir fanden das super und superlustig . Ein Haus voller vermeintlich Verrückter kann erstaunlich sein. Zur Produktion.
Die Zauberflöte – Volksoper
Tamino sucht Pamina, Papageno sein persönliches Glück, und zwischen Königin der Nacht und Sarastro ist die moralische Lage komplizierter als zunächst gedacht. Mozarts „Zauberflöte“ verbindet Liebesgeschichte, Prüfungen, Märchen und die Frage nach Erkenntnis. In der Volksoper gefiel uns der Abend sehr gut , besonders das super Bühnenbild . Schließlich dürfen sich bei Mozart auch die Augen freuen.
Gullivers Reisen – Burgtheater
Jonathan Swift schickt seinen Reisenden in fremde Welten und hält dabei der eigenen Gesellschaft den Spiegel vor: Mal verändern sich die Größenverhältnisse, mal die Vorstellungen von Vernunft. Nils Strunk und Lukas Schrenk machen daraus ein musikalisches Bühnenspektakel. Das eigenartige ist ja, dass alle die ersten beiden Reisen zu den Zwergen und den Riesen kennen, den Rest aber so gut wie niemand. Wir fanden es sehr nett. Ein sympathischer Theaterausflug. Und Nils Strunk ist sowieso immer super! Zur Produktion.
Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade – Rabenhof
Angelika Hager alias Polly Adler schickt ihre Heldin in einen Kriminalfall rund um Opernball und Wiener High Society. Stefanie Reinsperger, Sebastian Wendelin und Sona MacDonald machen daraus eine Krimi-Performance mit Musik. Unser Urteil fällt kurz und deutlich aus: extrem lustig . Eine Leiche in der Schokolade wäre andernorts ein Fall für die Lebensmittelaufsicht. Im Rabenhof ist sie ein sehr guter Grund für eine Sonntagsmatinee.
März bis Mai: Bürgerliche Fassaden und königliche Probleme
Döbling Burning – Rabenhof
Ernst Moldens „Singspiel vom Rand“ schaut hinter die gepflegten Fassaden des 19. Wiener Gemeindebezirks. Eine satirische Milieustudie über Wohlstand, Selbstbilder und die Abgründe hinter grünen Jalousien. Der Rabenhof blickt von Erdberg nach Döbling – da ist schon die Blickrichtung vielversprechend. Uns gefiel das sehr super.
Offenbar gedeiht Gesellschaftssatire auch dort prächtig, wo sonst vor allem die Hecke akkurat geschnitten wird. Und Ernst Molden geht mit diesem fantastischen Stück weiter auf seiner Reise durch Wien, die mit einem Singstück über die Höhenstraße, den Alberner Hafen und Mayerling seine Stationen hatte. Die DarstellerInnen sind mit Alina Schaller, Ursula Strauss, Christoph Krutzler und Gerald Votava super passend.

Ödipus Tyrann – Volkstheater
Theben steckt in einer existenziellen Krise, und König Ödipus sucht nach dem Schuldigen. Dass die Suche zu ihm selbst führt, passt denkbar schlecht zu seinem Selbstbild. Sophokles erzählt von Macht, Verblendung und dem schmerzhaften Preis der Wahrheit. Unsere Notiz zum Abend: super Performance . Ein antiker Stoff, dessen politische Grundkonstellation erstaunlich wenig Übersetzungsarbeit benötigt. Man sieht, Klassiker können auch klasse sein (und modern)
Ludwig XIX. – König für zwanzig Minuten – Theater Akzent
Ein Leben lang auf den Thron warten und dann nach zwanzig Minuten wieder abtreten: Die Geschichte Ludwigs XIX. liefert Nils Strunk und Lukas Schrenk den Ausgangspunkt für tragikomisches Musiktheater über Erwartungen, Scheitern und eine äußerst kurze Karriere. Wir fanden das extrem klasse . Andere brauchen länger, um sich für ein Mittagsmenü zu entscheiden. Ludwig hat in dieser Zeit eine Regentschaft hinter sich.
Rufus Wainwright – Burgtheater
Rufus Wainwright ist für kunstvollen Pop, seine markante Stimme und Ausflüge in die Oper bekannt. Auch seine Beschäftigung mit Judy Garland gehört zu seinem vielseitigen Werk. Beste Voraussetzungen also für einen besonderen Konzertabend in der Burg. Bei uns sprang der Funke diesmal allerdings kaum über: sehr na ja . Große Namen haben eben auch Abende, an denen sie im eigenen Konzertgedächtnis eher klein gedruckt bleiben.
Mozart – Die Liebe ist’s allein – Rabenhof
Cornelius Obonya und Fuzzman nehmen sich gemeinsam mit Stefan Gfrerrer einer Mozart-Biografie von Matthias Euler-Rolle an. Schauspiel, Live-Musik und ein eigenwilliger Blick auf das berühmte Komponistenleben treffen aufeinander. Das Ergebnis gefiel uns super . Mozart verträgt offensichtlich auch einen Ausflug nach Erdberg – besonders, wenn Cornelius Obonya erzählt und Fuzzman dafür sorgt, dass es musikalisch nicht zu ehrfürchtig wird.
Richard III. – Akademietheater

Ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd! Shakespeares Richard bahnt sich mit Manipulation, Intrigen und Gewalt den Weg an die Spitze. Ein Stück über Machtgier und eine Gesellschaft, die einem skrupellosen Aufsteiger zu lange zusieht. Unser Besuch im Akademietheater war sehr super . Richard selbst würde man beruflich eher ungern begegnen. Auf einer Bühne ist er dagegen ausgezeichnet aufgehoben. Dort darf sein Aufstieg wenigstens offen als Tragödie bezeichnet werden.
ZAM-Gala – Wiener Konzerthaus
kamen unterschiedliche musikalische Welten und Menschen zusammen. Mit dabei waren unter anderem Thomas Gansch, Federspiel und die unglaubliche Perkussionistin Vivi Vassileva.
Bei der Abschlussgala des Projekts ZAM. Das Projekt verbindet professionelle Musiker mit regionalen Musikgemeinschaften und bringt Generationen miteinander ins Spielen. Im Wiener Konzerthaus fanden wir das richtig klasse . „Zam“ ist manchmal einfach das überzeugendere Programm als jeder große Solistenname.

Juni bis August: Von Burg Clam über Triest zurück in die Arena
Nick Cave & The Bad Seeds – Burg Clam
Nick Cave erzählt in seiner Musik von Liebe, Verlust, Glauben und den dunkleren Winkeln des Menschseins. Mit The Bad Seeds verbindet er das zu einer ganz eigenen Welt zwischen Rock, Ballade und existenzieller Wucht. Auf Burg Clam fanden wir ihn super. Ship Song, Mercy Seat, Henry Lee und Where The Wild Roses Grow sind bloß Anspieltipps für dieses unglaubliche Erlebnis. Oder wie die Fans sagen: für die Messe!
ZOË & Band – Theater am Spittelberg
ZOËs musikalische Welt ist französisch geprägt: Chansons, eigene Lieder und viel frankophiler Charme. Unter dem Titel „Une soirée en famille avec ZOË“ waren auch ihr Vater Christof Straub und ihre Schwester Aimée beteiligt. Unsere Bewertung passt ausgesprochen gut dazu: sehr nett, sehr französisch . Ein kleiner musikalischer Frankreichurlaub mitten in Wien. Die Anreise war jedenfalls angenehm kurz.
Gorillaz – Piazza Unità d’Italia, Triest
Gorillaz, das Projekt von Damon Albarn und Jamie Hewlett, verbinden ihre gezeichnete Bandwelt mit einer musikalischen Mischung aus Pop, Hip-Hop, Elektronik und Rock. Die Idee der virtuellen Band ist dabei längst selbst Popgeschichte.

Auf der Piazza Unità d’Italia in Triest kam für uns die perfekte Kulisse dazu. Unser Urteil: sehr cool, spitze! Große Musik, prachtvoller Platz, Meer in unmittelbarer Nachbarschaft. Der Abend war auch der Konzert-Höhepunkt unserer Reise durch Norditalien zwischen Dolomiten, Venedig und Triest. Manchmal macht einem ein Urlaub die Auswahl seiner Höhepunkte wirklich schwer.
Robert Rotifer – Theater am Spittelberg
Der in Großbritannien lebende österreichische Musiker Robert Rotifer steht für sorgfältig geschriebenen Gitarrenpop. Sein Programm „The Radical Friendship Theory“ stellte neue, von den Sechzigern geprägte Songs und die Idee der Freundschaft ins Zentrum. Für uns war der Abend recht okay . Das darf in einer ehrlichen Saisonbilanz auch einmal stehen. Schließlich wird ein Konzert nicht automatisch zum Höhepunkt, nur weil man dafür das Haus verlassen hat.
Babyshambles – Arena Open Air
Tritt er auf oder wird abgesagt? Früher war man sich da nie sicher. Die von Pete Doherty gegründeten Babyshambles gehören zur britischen Indie-Rock-Geschichte der 2000er. Ihre Musik verbindet rohe Gitarrenenergie mit Melodien, die sich auch durch ein wenig Rauheit nicht vom Ohr fernhalten lassen. Beim Open Air in der Wiener Arena fanden wir sie super . Ein passender Schlussakkord für unsere Saison: noch einmal draußen stehen, Musik genießen und dem September gelassen entgegensehen. Tolle Vorgruppe Anda Morts, die bweisen, dass super Brit Pop nicht unbedingt von der Insel kommen muss und eine Einlage vom wunderbaren Oskar Haag. Und als Abschlussnummer „Fuck Forever“! Klasse.
Lesungen im Seehof
Und was man nicht außer Acht lassen darf sind die wunderbaren Lesungen im Seehof im salzburgerischen Goldegg. Thomas Maurer liest humorvoll Kafka, Vea Kaiser aus ihrem letzten Roma „Fabula Rasa“ und Bibiane Beglau schießt nicht ganz so humorvoll mit Peter Handkes „Wuschloses Unglück“ ab. Zwei traumhafte Wochenenden.
Was von dieser Kultursaison bleibt
Besonders festgesetzt haben sich bei uns „Elisabeth!“ mit Stefanie Reinsperger, Julia Riedlers „Fräulein Else“ und die vielen ausgesprochen lustigen Abende im Rabenhof. Die unglaublichen Inszenierungen von und mit Nils Strunk. Die generelle Klasse der Schauspieler der Burg, aber auch im Volkstheater. die Klasse der Kleinkunst und deren DarstellerInnen im Rabenhof.
Dazu kommen Konzerte wie Stone Foundation, Nick Cave und Gorillaz, die zuverlässig daran erinnern, warum Musik live so viel mehr sein kann als Hintergrundbeschallung.
Nicht alles war ein Volltreffer. Muss es auch nicht. Wer nur dorthin geht, wo die Begeisterung garantiert scheint, verpasst die Überraschungen – und bekommt trotzdem keine Garantie.
Wir werden also weiter Karten kaufen, Spielpläne durchforsten und gelegentlich feststellen, dass zwischen zwei Theaterabenden noch ein Konzert Platz hat. Die neue Saison beginnt schließlich im September.

2 Gedanken zu „Theater und Konzerte 2025/26: Zwischen Burgtheater und Babyshambles“
Prima! Genau solche Tipps sind so wertvoll – weil live erlebt!
Danke! Ich hoffe, dass Du sie auch nutzt. Und wir Dich für die Bühne noch mehr begeistern können.